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„Mein Weg“ (Jakobsweg)

Josef Kalteis - Vbst. Amstetten - Eisenwurzen

In 84 Tagen und 2500 km sowie 64000 hm nach Santiago de Compostela. Mein Weg begann am 22.04.2024 von der berühmten Wahlfahrtkirche Einsiedeln über den markierten Jakobsweg nach Genf und in weiterer Folge nach Le Puy en Velay - Saint-Jean-Pied-de-Port – über den Norte Weg nach Santiago de Compostela.

Die Route erstreckte sich über die drei Länder Schweiz, Frankreich und Spanien.  Da ich mir selbst einen gewissen Zeitplan zur Absolvierung dieses Wegs vorgab, legte ich jeden Tag im Schnitt 30 Kilometer zurückgelegt.

Daher konnte ich auch den Witterungseinflüssen welche mich anfangs sehr lange begleitet haben wie Schneefall, Regen, Gewitter, Hochwasser welches in Folge die Wege wegspülte und ein Vorankommen im Schlamm sehr erschwerte, nicht nachgeben.

Die Tagesetappen betrugen daher 5 bis 10 Stunden.

 

„Schwieriger Start“

Voller Tatendrang startete ich am 23. 04. 2024 in Einsiedeln in der Schweiz. Doch das legte sich von Stunde zu Stunde. Ich startete bei 10 cm Neuschnee und der Schneefall lies tagsüber einfach nicht nach. Meine Route führte über das 1400 m hochgelegene Haggenegg. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg durch den vielen Neuschnee, erkannte ich, dass ich den Berg nicht überqueren konnte. Mir blieb nun leider nur der Weg zurück ins Tal über, wo ich in den Abendstunden in meiner Herberge dem Haus „Maria Theresia“ eintraf.

Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten verlief mein Weg bis zum Genfer See durchaus akzeptabel. Danach setzte wieder Dauerregen ein und mein Regenponcho war täglich im Einsatz.

Eine Unterkunft in der Schweiz blieb mir besonders in Erinnerung. Es handelte sich hierbei um einen Schafstall, welcher 500 Meter oberhalb der Ortschafft Merligen lag. Es gab hier keine Waschmöglichkeiten und ich nächtigte tatsächlich mit den Schafen in einem Stall.

Aber bis auf so manche Wetterkapriolen sowie Überraschungen in Unterkünften faszinierten mich die Wege durch die Schweiz anhand ihrer bezauberten Natur sehr. Ich kam hier in meinen Gehrhythmus und mentalen Gleichgewicht.

Der längste Streckenabschnitt in der Schweiz war für mich Tag 8. Ich musste 42 Kilometer zurücklegen und hatte leider keine Möglichkeit mich zu stärken, da die dort liegenden Geschäfte und Wirtshäuser dauerhaft geschlossen hatten. Gegen 18:30 Uhr erreichte ich den Muribodenhof. Hier wurde mir zuerst auch nur die Nächtigung im Stroh zugesichert. Da ich aber aufgrund des Wetters total durchnässt war, bekam ich dann doch ein Zimmer um auch die Möglichkeit zu haben meine Bekleidung zu trocknen.

Rückblickend kann ich zur Schweiz nur sagen, dass hier die Pilgerwege sehr gut gekennzeichnet waren und die Bevölkerung sehr hilfsbereit war.

Am 08.05.2024 erreichte ich Frankreich. Von nun an musste ich mir die Unterkünfte täglich suchen und buchen. In der Schweiz hatte ich diese groß teils vorgebucht.

Am Tag 20ig meiner Reise von Yenne nach Gresin hatte ich einen meiner schönsten, aber auch schwierigsten Abschnitte. Es ging stetig bergauf wobei man dann über den Kamm sehr schöne Aussichtspunkte in die Landschaft erhielt.

Ich konnte von hier aus die Rhone mit ihren Deltas und die dahinter liegenden Streusiedlungen von Savoyen erblicken.  

Doch die Freude hielt nur kurz an, denn ab Tag 24 schüttete es wieder wie aus Kübeln.

Als ich in Ley Puy eintraf war die Freude trotz des schlechten Wetters groß, da ich die Hälfte meines Pilgerwegs absolviert hatte. Nur mein Schuhwerk hielt nicht Stand und so musste ich ein Sportgeschäft, welches 15 Kilometer von Ley Puy entfernt war aufsuchen um mir ein neues Schuhwerk zu kaufen.

Ley Puy ist eine echte Pilgerstadt. Ich verließ die Stadt unter einer Kathedrale im Beisein von etwa 120 Pilgern.

Am 34. Tag kam ich in Aubrac an. Da spielte der regionale Almauftrieb die größte Rolle. Überall wurden die Kühe über die Straßen auf Weideflächen getrieben. Es war sehr schön anzusehen wie sich die Kuhherden geschmückt auf den Straßen bewegten.

Am 48. Tag gab es in der Region Condom und Eauze wieder schwere Unwetter, dass es sogar Straßenbelege wegschwemmte. Da auch die Route am markierten Jakobsweg, zum Teil nicht passierbar und unter Wasser stand, musste ich alternative Routen wählen.

Am 56. Tag war es soweit, der französische Weg endet für mich in Saint-Jean-Piet-de-Port und ich beginne in Irun den spanischen Weg. Auch hier waren anfangs die Pilgerunterkünfte mit über 60ig Belegungen ausgebucht und man musste weitersuchen.

Doch es war einer der schönsten Abschnitte von Irun nach San Sebastian. Der Weg verlief auf einem Höhenzug, entlang der Küste und es war ein sehr schönes Gefühl neben dem Meer zu gehen.

In San Sebastian traf ich auch wieder auf meine Freunde John und Nikolaus aus England sowie Paul aus Deutschland.

Dies war auch eine sehr schöne Erfahrung. Man trifft auf dem Weg internationales Publikum, tauscht sich entlang der Strecke aus und verliert sich, dann aufgrund der Schrittgeschwindigkeit anderen Tageszielen oder Unterkünften wieder. Aber im Endeffekt sieht man sich sporadisch immer wieder am Weg und erfreut sich darüber.

Die Städte Bilbao und Santander, Gijon waren für mich nicht das was Schönheit und Natur pur ausmacht. Zudem waren die Pilgerunterkünfte auch etwas teurer als sonst.

Die Sehnsucht nach Santiago de Compostella war aber zwischenzeitlich sehr hoch, da ich schon 83 Tage ohne Pause unterwegs war.

Am 15.07. 2024 nach fast drei Monaten war es soweit und ich kam mit ca. 100 Pilgern, welche sternförmig von jeder Gasse eintrafen, am Vorplatz der Kathedrale an. Eine große Last viel von meinen Schultern und ich war überglücklich endlich hier zu stehen.

2500 Kilometer – 64000 Höhenmeter – 84 Tage 😊

Am 16.07.24 kam meine Gattin gegen Mitternacht in Santiago an, da wir noch gemeinsam den „Camino“ nach Finistera in den kommenden Tagen gehen wollten.   Zu meiner Überraschung kam auch mein Sohn Alexander mit. Und so starteten wir am 17.07.2024 gemeinsam unseren „Camino“ in Richtung Küste.

Nach Finestera waren es noch 100 km die wir gemeinsam in 3 Tagen gingen.  In Finestera angekommen war es für uns als hätten wir gemeinsam schon all die Tage verbracht. Einfach wunderschön. Das Wetter war auch auf unsere Seite daher war auch die Stimmung dementsprechend. Es war für Iris, Alex und mich eine sehr schöne und intensive Zeit mit alles was das Herz begehrt.

Am 21.07.2024 ging es dann endlich nach Hause, wo noch eine letzte Überraschung auf mich wartete. Bei unserer Ankunft waren zwei Transparente mit lieben Worten von Nachbarn, Freunden und Verwandten vor unserem Haus angebracht worden und meine liebe Gattin überraschte mich mit einer riesigen Torte. Ich konnte es fast nicht glauben, dass wir diese 3 Monate als Familie so gut überstanden haben.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Zeit mit den Hoch und Tiefs, den Begegnungen, den Eindrücken die ich sammeln durfte sehr geprägt hat und ich sehr dankbar dafür bin, dass ich wieder gesund zurück gekommen bin und ich mein persönlich gesetztes  Ziel erreicht habe.

„Buen Camino“                                                                                  Euer Josef Kalteis

Informationen

Der Inhalt von www.niederoesterreich.ipa.at befasst sich mit den Vereinsaktivitäten, die in den Statuten genannt sind und berichtet über soziale Aktivitäten von Mitgliedern der International Police Association.